Geschichte

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Geschichte Sierndorfs

Schloss SierndorfSchloss SierndorfDas Schloss geht auf die Herren von Sierndorf, die mit den Herren von Werd verwandt waren, zurück. Das Geschlecht blühte durch drei Generationen und stammt wohl von einem 1268 genannten Syfridus ab. Sein (vermutlicher) Sohn Seifried (1313) darf als der Stifter der St. Johannes-Pfarrkirche angesehen werden. Dessen Sohn Konrad, herzoglicher Hofmeister, ist 1333 als Gründer der Pfarre Oberhautzental. Mit den Söhnen Seifried von Bichlhof zu Wolfpassing (um 1360), der Stifter der Pfarre Großstelzendorf gewesen sein wird und mit Leopold, erlosch um 1378 die Familie.

Aus ihr stammte auch der große Kunstfreund Stephan von Sierndorf, Propst von Klosterneuburg. Er rettete beim großen Stiftsbrand 1330 die berühmten Lettnertafeln des Meisters Nikolaus von Verdun, die 1198 entstanden sind. Um sie vor dem Schmelzen zu bewahren, hatte er sie mit Wein übergießen lassen. Die Tafeln sind noch heute in der Leopoldigruft der Stiftskirche erhalten und genießen als Verduner Altar in der ganzen Welt Wertschätzung. Von den durch Propst Stephan von Sierndorf angeschafften Goldschmiedearbeiten und Statuen sind noch mehrere erhalten. Auch die auf Holz gemalten Bilder an der Rückseite des Verduner Altars stammen von Stephan. Auf einem von diesen sowie auf einigen gemalten Fenstern ist der kunstsinnige Sierndorfer verewigt.

Die Erben der Sierndorf, die Herren von Sunnberg und die von Kaja, verkauften die Herrschaft an das reiche Wiener Bürgergeschlecht der Tirna, an das ein kleiner Grabstein in der Schloßkirche erinnert. Die Tirna sind auch die Begründer der Morandus-, jetzt Kreuzkapelle bei St. Stephan, in der Prinz Eugenius von Savojen ruht. Die Tirna kauften 1409 das landesfürstliche Lehen, ein Hof samt zwei Untertanen im Dorf, von den Erben des Hans Floit. Nach dem Erlöschen der Familie Tirna fällt beim Vergleich der Erben die Herrschaft an das Geschlecht Malzkasten.

1493 geht der Besitz an die Brüder Ludwig und Hans Thürnbacher käuflich über.
Schlosspfarrkirche SierndorfSchlosspfarrkirche SierndorfSchon 1496 wird Hans von Zelking mit seinen Brüdern Inhaber der meist aus landesfürstlichen Lehen bestehenden Herrschaft (Kaiser Maximilian). Wilhelm, dem sein Bruder Hans Sierndorf überlassen hatte, stiftete in die Schlosskapelle den einzigartigen Hochaltar, vier Seitenaltäre (nur einer ist noch erhalten), den Taufstein und die zwei Emporen.

Wilhelm und Margaretha von ZelkingWilhelm und Margaretha von ZelkingAus der Evangeliumseite blicken in Lebensgröße der Stifter und seine Gattin Margarethe, geborene Freiin von Sandizell.
Er war Obersthofmeister bei Königin Maria von Ungarn, heiratete 1511 Margaretha von Sandizell und hatte 16 Kinder. Wilhelm hat sich mit der Ausgestaltung der Schlosskapelle ein Denkmal gesetzt und ist hierin seinem 1491 verstorbenen Vater Christoph Zelking gefolgt. Diesem verdankt ja die Pfarrkirche Kefermarkt in Oberösterreich den einzigartigen Hochaltar. Auch sollten vier Seitenaltäre das dortige Gotteshaus, in dem er begraben ist, schmücken. Wilhelm, gestorben 1541, ruht bei den Minoriten in Wien, wo auch seinen Gattin Margarethe 1549 bestattet wurde.
An den Sohn Karl, gestorben 1577, ein Patenkind des gleichnamigen Kaisers, erinnert der Totenschild über der Empore auf der Evangelistenseite.

ReliefReliefVon 1604 bis 1696 waren die Herberstein im Besitz des Gutes, das sich von den überschuldeten Zelking gekauft hatten. Von diesem Geschlecht erzählen uns in der Kirche der Totenschild des 1625 begrabenen Gotthart (ober der epistelseitigen Empore), der neben der Sakristeitüre eingemauerte Gruftdeckel, der auch das Gedenken an die 1625 verstorbene Elisabeth, geborene von Greiss, festhält. Das eigenartige Relief, den Tod darstellend, wie er eine Säule zertrümmert, ist dem 1661 nach einjähriger Ehe verschiedenen Georg Ruprecht gewidmet. Das große Medaillon erinnert an die Familie des letzten männlichen Herberstein auf Sierndorf,es entstand um 1703.

Das Marktprivilegium dürfte von den Söhnen des 1541 verstorbenen Wilhelm von Zelking erwirkt worden sein. Es ging verloren, Kaiser Franz II. stellte ein neues aus.


In dieser Zeit entstand auch der Sierndorfer Prangerhansl (Rolandssäule) ein geharnischter Ritter auf einer Säule stehend mit abnehmbarer Holzhand.

In Sierndorf gab es zu dieser Zeit auch ein reges Gewerbeleben: Bäcker, Bader, Binder, Baumeister, Färber, Fleischer, Gärtner, Gerber, Büchsenmacher, Kasstecher, Kramer, Leinweber, Maurer, Müller, Schmiede, Schneider, Schuster, Sockenstricker, Deichgraber, Tischler, Wagner, Weber und Zimmerleute übten ihr Handwerk aus. Das Schloss Sierndorf und sein Amtshaus waren der Mittelpunkt eines nicht geringen Herrschaftsgebietes.

Schon seit ca. 1563 wird die Gemeinde zum Markt ernannt. Der Jahrmarkt war zu Philippi und Jakobi, an welchem Tag die Herrschaft den Weinschank innehatte. Das Maut- und Standgeld erbrachte 18 Gulden. Im Anschlag von 1603 heißt es, dass außer dem Jahrmarkt am 1. Mai noch alle Samstage ein Wochenmarkt stattfindet.
Letzterer ist aber laut Anschlag von 1649 abgekommen, könnte aber wieder belebt werden. Zu jenem Jahrmarkttage führten noch 1667/68 laut Kirchenverrechnung Bauern “Päuml, Stauden”, in die Schlosskirche, also war der Jahrmarkt eine richtige “Messe”.
Laut den nunmehr verschollenen Marktprotokollen bestand in der Nähe des Prangers ein Kotter, der 1799 von der Herrschaft neu gedeckt und angestrichen wurde. Eine Schule wurde schon 1543 errichtet, der Schulmeister genoss damals unter anderem das Einkommen der eingegangen Kaplanei Höbersdorf. Im Dorfe bestand im 16. Jahrhundert ein Spital, das aber später aufgelassen wurde.
Das bereits 1550 genannte Bräuhaus kam 1778 in private Hände, es hat in der Schlossallee bei der Bahnübersetzung gestanden.
Die Pest forderte im Jahr 1679 - 97 Opfer, darunter auch den Pfarrer. Das nun folgende Geschlecht von Gurland ist von Tragik umwittert. Im Oktober 1736 verliert die jungverwitwete Gräfin Dorothea Josefa, geborene von Schallenberg, ihre 5 Kinder und somit erlischt das Haus Gurland. 1722 stiftete sie die Mariensäule.

Nach dem Tode der Gräfin erbt 1749 deren Neffe, Graf Leopold von Schallenberg das Gut, verkauft es aber schon 1756 um 150000 und 2000 Gulden an den Fürsten Rudolf von Colloredo, dessen Nachkommen es noch besitzen. Sie führen seit der Einheirat der letzten Gräfin Mannsfeld (1789) ihren Doppelnamen. Unter den Gurland scheint das Schloss, das noch bis 1846 mit Wällen umgeben war, barockisiert worden zu sein. Aus dieser Zeit stammt wohl die Deckenmalerei des sogenannten Marmorsaales.

Kirchlich mag Sierndorf zu Hausleiten gehört haben. Für die Auspfarrung, die um 1300 erfolgt sein wird, dürfte die Mutterpfarre die Untertanen zu Zissersdorf, die 1354 genannt wurden, erhalten haben. Die alte Pfarrkirche zum heiligen Johannes, dem Täufer stand im Friedhofe.
Sie wurde 1740 - 41 hauptsächlich aus einem Vermächtnis, des von Sierndorf stammenden Pfarrers Tobias Pirkl gründlich erneuert, aber 1784 als Nebenkirche gesperrt und 1794 abgerissen. Die Statuen der zwei Johannes im Schlosshofe mögen aus ihr stammen, ebenso die spätgotische Muttergottes des Hauptaltars in Klein Wilfersdorf, das nach der Schließung der Johanneskirche deren Marienaltar angekauft hatte. Eine Schlosskapelle zu Ehren der Gottesmutter bestand schon vor 1313. Um 1511 wurde sie in die jetzige Gestalt gebracht und erhielt 1783 pfarrliche Rechte. 1878 verlor sie ihren mit einem Liebfrauenbild gezierten Turm. 1896 wurde das Gewölbe um einen halben Meter erhöht, kamen die auf der Westseite aufgefundenen Maßwerkfenster auf den jetzigen Platz, verschwanden drei der einfachen Seitenaltäre von 1720 und wurde der Hochaltar festgelegt. Das Mariä Geburt-Bild des Georg Wamberg von 1690 kam über die Sakristeitüre.
In den reichgegliederten Rahmen wurde 1913 die neue Orgel eingebaut. 1914 und 1939 wurden die bemalten Fenster eingebaut. Das eine erinnert an die Gattin des 1925 verstorbenen Franz de Paula Colloredo, die anderen sind Widmungen der Pfarrgemeinde 

 1928 wurde die Autobuslinie Wien-Znaim in Betrieb genommen und die Wasserleitung. 1942 wurde die Assmannmühle voll automatisiert und 1943 gab es die ersten Traktoren, 1957 gab es die ersten Mähdrescher. Zu Kriegsende lag Sierndorf nicht mehr im Frontgebiet, jedoch hatte die Bevölkerung unter den Plünderungen und Vergewaltigungen, besonders der Zivilarbeiter, zu leiden. Die wenigen beschädigten Häuser wurden restauriert und bald schritt man an die Verschönerung. 1955 konnte das neu erbaute Rathaus (heute Zahnarzt) seiner Bestimmung übergeben werden. Vorher stand dort ein Armenhaus. Mit 1. Jänner 1970 erfolgte die Zusammenlegung der Gemeinden Sierndorf, Oberhautzental, Unterhautzental, Senning und Untermallebarn zur Großgemeinde Sierndorf. Nach dem plötzlichen Tode des Bürgermeisters Johann Rauscher übernahm Franz Mahrer das Bürgermeisteramt am 16. Juni 1970. Am 1. Jänner 1971, erfolgte die Vereinigung der Gemeinden Unterparschenbrunn, Oberolberndorf, Obermallebarn und Höbersdorf mit der Gemeinde Sierndorf.

Am 22. April 1981 überreicht Landeshauptmann Siegfried Ludwig den Vertretern der Gemeinde Sierndorf, geführt von Bürgermeister Franz Mahrer, die Wappenurkunde.


Am 30. April 1985 übernahm Bürgermeister Gottfried Rauscher das Amt. Es wurde eine neue Volksschule mit Turnsaal und Handarbeitsraum und ein Kindergarten gebaut, 1971 erwarb die Gemeinde das ehemalige Amtshaus der Sierndorfer Gutsverwaltung mit 4.000 m² Grund. 1989 übersiedelte das Gemeindeamt in dieses Gebäude.  

Seit dem Jahr 2000 ist Gottfried Lehner Bürgermeister der Marktgemeinde Sierndorf.