Volkssagen

 
Folgende Volkssagen aus der Marktgemeinde Sierndorf sind bekannt:

Sierndorf: Der dienstbare Teufel, Die Fanicherblüte, Die Pestsäule in Sierndorf

Höbersdorf:Die Schrattln

Oberhautzental: Der Kirchenbau in Oberhautzental, Die „arme Seele" bei der „Mandelföhre", Der verschollene Pfarrer

Senning: Der Hexenplatz zwischen Senning und Hatzenbach

Obermallebarn: Das Teufelsbündnis

Untermallebarn: Die verhexte Kuh

Unterparschenbrunn: Der Teufelsbirnbaum, Die Thonradelwiese

  
Der dienstbare Teufel  

Bei einem Bauern in Sierndorf stand vor vielen Jahren ein vierzehnjähriger Junge in Arbeit. Zeitig in der Früh musste der Bub aus den Federn, die Pferde füttern, tränken, putzen und einspannen. Auch abends fand er erst spät die ersehnte Ruhe. So kam es, dass das Knechtlein nie ordentlich ausgeschlafen war. Darüber war es sehr traurig.

Als der Junge eines Morgens einen Acker pflügte, war ihm infolge der langen Arbeit das Pflugeisen stumpf geworden. Rasch nahm er es ab, band die Pferde an einen Baum und lief mit der Pflugschar in das Dorf zum Schmied, um das Eisen schärfen zu lassen.

Nach seiner Rückkehr fand der einen fremden Mann bei seinen Pferden. „Warum eilst du so?", sprach der Fremde den Knecht an, „bist ja ganz in Schweiß gebadet." - „Ja, Herr",  seufzte der junge Pflüger, „Sie kennen meinen Bauern nicht. Wüsst er, dass ich beim Schmied gewesen bin, bekäme ich es ordentlich." - „Dir kann geholfen werden", tröstete der Unbekannte, „kein Leid soll dir je widerfahren! Gut haben sollst du es, wenn du mir deine Seele verschreibst." Der Junge, der den Fremden nicht recht verstanden hatte und auch nicht ahnte, dass es der Leibhaftige selber war, nahm den Vorschlag an. „Hier nimm!", sprach der Teufel und reichte ihm ein Fläschchen. „Das trägst du ständig bei dir. Nur am Sonntag, sobald du die Kirche besuchst, lässt du es daheim." Der Bursche versprach zu tun, wie ihm geboten wurde.

Jetzt hatte er es in allen Dingen leicht. Rief ihn der Bauer frühmorgens zum Pferdefüttern, drehte sich der Knecht noch einmal um und schlief ein Stündlein weiter. Stand er dann auf, waren die Rosse geputzt, gefüttert, vor den Wagen gespannt und warteten auf den Kutscher. Auch sonst kam ihm die Arbeit viel leichter vor.

Den Pferden tat die regelmäßige Pflege wohl, und sie gediehen trefflich. Um so schlechter sah der Junge aus. Ihn drückte die Sorge. Weil das dem Bauern aufgefallen war, passte er eines Tages seinem Knechte auf, um zu sehen, wie er es mit der Arbeit nähme.

Wie gewöhnlich rief er in die Kammer, dass es Zeit sei, die Pferde zu füttern. Nach zehn Minuten begab sich der Bauer in den Stall. Der Knecht war nicht zu sehen. Die Pferde aber fraßen den Hafer, und eine unsichtbare Hand führte den Striegel und klopfte ihn aus, dass vom Streitbaum die Funken flogen. Das war eine Überraschung für den Bauern! So etwas hatte er noch nicht erlebt.

Schnell ging er in die Knechtkammer, weckte ganz unsanft den Jungen und verhörte ihn so lange, bis er gestand, dass er ein geheimnisvolles Fläschchen besitze, das ihm alle Arbeit erleichtere. Aufgebracht, wie der Bauer war, eilte er zum Pfarrer und erzählte ihm von dem Vorfall. Dieser ließ den Jungen kommen und belehrte ihn: „Dir ist wohl nicht bekannt, dass dieses Fläschchen einen dienstbaren Teufel birgt? Nur sieben Jahre dient er dir. Ist diese Zeit abgelaufen und hast du versäumt, dich des Fläschchens rechtzeitig zu entledigen, gehört deine Seele dem Satan."

In seiner Angst dachte der Knecht nur daran, wie er das Fläschchen loswerden könnte. An einem Abend - es ging gerade der Vollmond auf - nahm er einen geweihten Rosenkranz, steckte das Fläschchen zu sich und wanderte in die Nacht hinaus. Er kam zu einem Kreuzweg. Hier hielt er, sprach ein kurzes Gebet, ergriff das Fläschchen und warf es in einem weiten Bogen nach rückwärts, dass es zerschellte. Im selben Augenblick, in dem es zerbrach, fuhr ein Blitz neben ihm in die Erde, der von einem so gewaltigen Donner begleitet war, dass der Junge ohnmächtig zu Boden fiel.

Der Teufel konnte aber dem Bewusstlosen nichts anhaben, da er doch einen geweihten Rosenkranz bei sich trug. Nachdem sich der Knecht nach einiger Zeit erholt hatte, eilte er heim. Am nächsten Morgen verabschiedete er sich von seinem Herrn, zog nach Stockerau und begab sich in das Franziskanerkloster, wo er sein Leben als Laienbruder beendete.

Die Fanicherblüte

In unseren heimischen Wäldern wächst ein Farnkraut, das eine Höhe von zwei Fuß erreicht und vom Volke „Fonich" oder „Fanicher" wird. Diese Pflanze besitzt einen dreikantigen Stängel, der bis zur Mitte blattlos ist. Die Blätter selbst sind gefiedert. Es gibt einen weißen und einen schwarzen Fanicher. Der weiße blüht den ganzen Sommer hindurch. Der schwarze Fanicher ist etwas höher als der weiße. Sein Stängel ist am unteren Ende schwarz. Man sieht ich  nie blühen, weil er der Sage nach nur einmal im Jahr eine Stunde lang seine Blüten entfaltet. Die Angaben über seine Blütezeit stimmen nicht überein. Nach der einen Angabe soll er in der Thomasnacht von 11 bis 12 Uhr gelb blühen, während er nach der anderen Mitteilung in der Nacht vor dem Pfingstsonntag seine Blüten öffnen soll. Die Haupteigenschaft der Pflanze liegt nach der Meinung der einen in der Blüte, nach der anderen im Samen. Er soll noch in derselben Mitternachtsstunde reifen und abfallen. Eine rote Fanicherblüte macht den Besitzer unsichtbar. Mehr Wert besitzt der Samen des gelblich blühenden, er lässt seinen Träger alle Schätze der Erde sehen.

Welche Wirkung einer Fanicherblüte haben kann, das erfuhr ein junger Bursche aus Sierndorf, der tagsüber bei einem Schneider des Nachbarortes in Arbeit stand und nachts seinen Heimweg durch den Wald nehmen musste. Am Abend vor dem Pfingstsonntag hatte der Schneidermeister Postarbeit, und Hans, so hieß der Bursche, musste einige Stunden länger tätig sein als sonst, da er seinem Brotherrn die Kunden nicht vertreiben wollte. Als er sich endlich auf den Heimweg machte, rückte der Zeiger gegen die Mitternachststunde. Eilig verließ er das Dorf und schritt waldeinwärts. Kaum hatte er eine kurze Strecke des Waldweges zurückgelegt, schlug es auf der Turmuhr zwölf. In diesem Augenblick begann der rote Fanicher zu blühen, so dicht und feuerrot, dass Hans meinte, der Boden glühe unter seinen Füßen. Er kannte diese Blüte nicht und wusste auch nichts von ihr. Aus Furcht, sich zu verbrennen, lief er, so schnell ihn seine Füße trugen, durch den Wald, wobei es geschah, dass er eine Fanicherblüte abstreifte und sie ihm in den linken Stiefel fiel, ohne dass er es merkte. Keuchend kam er zu Hause an und fand Mutter und Schwester noch wach., Als er auf seine Mutter zutrat, um ihr den Grund seines langen Verweilens mitzuteilen, las sie unbeirrt in ihrem Gebetbuch weiter, weil sie ihren Sohn weder sah noch hörte. Die Fanicherblüte machte ihn unsichtbar. Der Schwester, die sich über das lange Fernbleiben des Bruders nicht genug wundern konnte, erging es wie der Mutter. Hans, der von seiner Unsichtbarkeit nichts wusste, konnte das Benehmen der beiden nicht verstehen. Unwillig warf er sich auf einen Sessel, sah durchs Fenster in die Frühlingsnacht hinaus und hing seinen Träumen nach. Und weil er keinen Schlaf verspürte, entkleidete er sich nicht, auch nicht an den folgenden Tagen. Indessen grämten sich über sein Fernbleiben Mutter und Schwester gar sehr, obwohl ihnen Hans immer wieder recht eindringlich versicherte, dass er bei ihnen sei und sie nur die Hand nach ihm auszustrecken brauchten, um seiner Anwesenheit sicher zu sein. Als er dann doch seine Stiefel ausziehen musste, weil sie zerrissen waren, fiel die Fanicherblüte zur Erde. Kaum hatte sie den Boden berührt, entstand ein entsetzlicher Krach, die Erde öffnete sich und aus dem glühenden Spalt stieg der Teufel heraus, der sich auf die Blüte stürzte und mit ihr verschwand, während neuerlich großes Getöse entstand.

Es war gerade Sonntag, wo alles in der Kirche weilte, auch die Mutter und die Schwester des Schneiderlehrlings. Als die beiden nach ihrer Heimkehr aus der Kirche in die Stube traten und den Vermissten frisch und wohlauf bei Tische sitzen sahen, trauten sie ihren Augen nicht, bis sie sich endlich überzeugt hatten, dass es doch der Hans war. Ihr Erstaunen war groß, als der Wiedergefundene erzählte, dass die Fanicherblüte die Ursache seiner Unsichtbarkeit gewesen wäre.

Die Pestsäule in Sierndorf

Vor ungefähr zweihundertneunzig Jahren forderte die Pest auch in unserer Heimat schrecklich viele Opfer. Besonders arg wütete die Seuche in Sierndorf, wo es so viele Tote gab, dass die Überlebenden nicht Rat wussten, wie und wo sie die Opfer am raschesten beerdigen sollten. Damit die Seuche nicht noch weiter um sich greife, legten die Sierndorfer den Pestfriedhof außerhalb des Ortes an, und zwar dort, wo die Straße nach Unterhautzental abzweigt. Später errichteten sie hier eine Säule, die den Wanderer erinnern möge, für das Seelnheil der Verstorbenen zu beten. Diese Säule sank immer tiefer ein, so dass sie heute tief im Boden steckt. Ist sie dereinst ganz eingesunken, wird - so erzählt die Sage - wieder ein großes Völkersterben beginnen. Es wird dies auch dann der Fall sein, wenn man versucht, die Säule zu heben.

Die Schrattln

Zwischen Höbersdorf und Hautzental heißt eine Flur der „Schrattengrund". Die Sage berichtet, dass vor vielen Jahrhunderten, als unsere Gegend noch mit dichtem Wald bedeckt war, in diesem Teil des Waldes Schrattln hausten. Das waren kleine Waldgeister, die die Menschen gerne neckten und auf Irrwege führten. Wer nicht unbedingt durch den Schrattengrund gehen musste, mied ihn lieber. Als sich später der Wald unter den Axtschlägen der Einwanderer lichtete und schließlich ganz verschwand, wanderten auch die Schrattln aus dieser Gegend fort.

Der Kirchebau in Oberhautzental

Ursprünglich wollten die Oberhautzentaler ihre Kirche auf einem Hügel bauen, der am Nordende des Dorfes in Richtung Unterparschenbrunn liegt. Wochenlang war gearbeitet worden, bis endlich das gesamte Baumaterial herbeigeschafft worden war. Als aber endlich mit dem Bau begonnen werden sollte, waren die Steine verschwunden. Sie lagen schön geschichtet auf einem Hügel am entgegengesetzten Dorfende. „Hm, hm; das ist mir noch nicht untergekommen", schüttelte der Baumeister seinen ergrauten Kopf. „Sie müssen das gesamte Material zurückschaffen lassen", sagte er zum Dorfrichter. Nach ganz kurzer Zeit befand sich alles wieder auf dem alten Platz. Diese Mühe war aber umsonst gewesen. Am anderen Tag fanden die Bauleute das Material abermals auf dem anderen Hügel.

„Das ist ein Fingerzeig Gottes. Hier auf diesem Hügel soll die Kirche stehen", riet ein altes Mütterchen. Bei dieser Entscheidung blieb es. Und so erhebt sich heute noch das prächtige Gotteshaus an dieser Stelle.

Die „arme Seele" bei der „Mandelföhre"

In Oberhautzental lebte einst ein Pfarrer, der das Tanzen nicht leiden konnte. Trotz seiner Mahnungen an die Bevölkerung des Ortes versammelte sich die Dorfjugend jeden Sonntag, oft auch an Wochentagen zum fröhlichen Tanze. Da konnte man dann den Lärm bis in die Kirche hören, in der oft Wallfahrer ihre Andacht hielten. Sie wurden dadurch gröblich gestört. Endlich brachte es der Seelsorger so weit, dass die Jugend ihren Tanzplatz außerhalb des Dorfes verlegte, wo niemand mehr belästigt werden konnte. Kehrten die jungen Leute heim, mussten sie an der Kirche und an einer Föhre vorbei, die die „Mandelföhre" genannt wurde.

Einst hatte der Tanz recht lange gedauert. Auf dem Heimweg kamen die Burschen und Mädchen wieder an dieser Föhre vorbei. Im Kreise der Heimkehrenden war auch ein junger Knecht, der sich zufällig an diesem Abend nach diesem Baume umsah und unter ihm eine dunkle Gestalt erblickte. Er ging ein paar Schritte zurück, trat auf sie zu und sprach sie an. Sie Blieb aber nicht stehen, sondern ging dreimal um die Föhre herum. Der Bursche ging hinter ihr her. Auf einmal sagte jemand: „Lass eine arme Seele in Ruhe!" Der Knecht glaubte, dass er einen Spaßmacher vor sich habe und blieb ruhig stehen. Plötzlich erhielt er eine Ohrfeige, und seine Wange brannte so heiß, dass ihm die kalten Umschläge, die er nachts auflegte, keine Linderung brachten. Als er nun am Morgen in den Spiegel schaute, erstaunte er sehr. Es war auf seiner Wange recht deutlich die Spur von fünf Fingern zu bemerken, und zwar so deutlich, dass man sie von weitem erkennen konnte. Beschämt zog der Knecht in einen anderen Ort, wo er das „Brandmal" als Muttermal ausgab.

 

Der verschollene Pfarrer

 

In Oberhautzental waren die Bauernleute ganz unzufrieden mit dem römisch-katholischen Pfarrer. Rundum in den anderen Ortschaften hatten die Bauernleute in der Kirche oder in der Kapelle lutherische Prädicanten, die ohne großes Brimborium, ohne teuren Weihrauch und noch auf Deutsch die Bibel verkündeten, sodass man verstand, was der da vorn beim Altar sagte.

So gingen die Ortsbewohner zu Graf Sigismund von Hardegg, welcher ihr Herr und Vogt war und baten um Abhilfe. Graf Sigismund von Hardegg kam ihrer Bitte nach und bestellte einen lutherischen Prädicanten. Nachdem dieser angekommen war, befahl er als Kirchenpatron dem Pfarrer Hochkirchner, den Pfarrhof zu verlassen und diesen dem lutherischen Prädicanten zu übergeben.

Nachdem der Pfarrer seine Siebensachen zusammengepackt hatte, verlud er sie auf sein Schlittengespann, um damit zum Passauischen Dechanten nach Hausleiten zu fahren. Es war ein kalter grauslicher Wintertag mit Schneetreiben. Der Wind pfiff nur so durch die Baumkronen und die Schneeflocken kamen fast waagrecht daher. Als das Gespann nach der Fahrt durch den Stranzendorfer Wald in Hausleiten ankam, zogen die zwei Pferde nur noch die zwei Schlittenkufen hinten nach. Der geflochtene Schlittenkorb mitsamt dem Pfarrer und seinem ganzen Gepäck war verschwunden. Es war schon stockfinstere Nacht bei der Ankunft des Gespannes und niemand konnte sich erklären, was das eigenartige Gespann sein sollte.

Als nach zwei Tagen und nachdem sich das Wetter gebessert hatte ein Bauer von Oberhautzental nach Hausleiten kam, erzählte er, dass sie jetzt einen neuen Prädicanten hätten und der alte Pfarrer vorgestern mit dem Schlitten nach Hausleiten gefahren wäre. Da ging dem Hausleitner Dechant ein Licht auf und er ließ im Stranzendorfer Wald nach dem Pfarrer suchen. Aber man konnte trotz stundenlanger Suche nichts mehr finden. Der Schnee lag klafterhoch und der Wald war je auch zu unheimlich und finster, überhaupt jetzt zur Winterszeit.

Seitdem kann man in finsteren Winternächten, überhaupt wenn der Wind durch die Bäume des Stranzendorfer Waldes streicht, dort ein leises klagendes Heulen hören. Die Leute sagen, das sei das Weinen der Seele des toten Pfarrers, welcher die Straße nach Hausleiten sucht. Aber man soll schnell weitergehen und nicht stehen bleiben, weil sich sonst die tote Seele an einen anhängt und in die Kirche will. Wenn man dann bei der Kirche vorbeigeht, fliegt die Seele in die Kirche und man fällt selbst tot um, damit man nichts weitererzählen kann.

Das Teufelsbündnis

Ein besonders geiziger Bauer aus Obermallebarn hatte vor vielen, vielen Jahren mit dem Teufel ein Bündnis geschlossen. So kam es, dass seine Scheunen und Keller stets voll waren. Auch zur Zeit von Missernten, in der die übrigen Bauern in arge Not gertieten, kannte er keine Armut.

„Das geht nicht mit rechten Dingen zu", sagten dann die Ortsbewohner und gingen dem Geizhals aus dem Weg. Im Stillen aber beneideten sie ihn um seinen Reichtum.

Einst machten in Mallebarn viele fremde Krieger Quartier, und mit dem Krieg stellten sich Geldknappheit und Hungersnot ein. Als die Bauern des Dorfes ihr letztes Stück Vieh dem Feind geben mussten und kaum mehr etwas zu essen hatten, schwelgte der Geizhals in großem Überfluss. Den konnte er sich leisten, da er nur nach seinem Bundesgenossen, dem Teufel, rufen brauchte, sobald er einen Wunsch erfüllt haben wollte. Brachte er dem Bauern Geld, so konnte er in Gestalt eines roten Drachens gesehen werden, der in der Nacht durch den Kamin in das Haus fuhr. Brachte er Fleisch, Schmalz oder Getreide, kam er als blauer Drache. So ging es lange Zeit hindurch und bis zu dem Tage, an dem der Bauer sein letztes Stündlein nahen fühlte. „G'lebt hätt' i guat, aber's Sterben!", jammerte der Unglückliche. In seiner Seelennot schickte er nach dem Pfarrherrn, der ihn aus den Klauen des Bösen retten sollte. Der Seelsorger aber war über Land. Der Teufel, der von dem Vorhaben des Geizhalses wusste, wollte um keinen Preis seine Beute verlieren. Nachdem der Pfarrer in das Dorf heimgekehrt war und von dem Versehgang erfuhr, ging er in die Kirche, um die Sterbesakramente zu holen. In dem Augenblick, als der Pfarrer die Kirche betrat, schlug ein Blitz in das Haus des todkranken Bauern ein, das schnell Feuer fing. In den Flammen erblickten die Dorfleute den Teufel, wie er unter fürchterlichem Getöse mit dem Geizhals, den er auf dem Rücken trug, die Höllenfahrt antrat.

Die verhexte Kuh

Eine Bäuerin in Obermallebarn hatte schon vierzehn Jahre eine Kuh, von der sie immer gute Milch bekam. Eines Tages aber gab sie keine Milch mehr. Das Tier war verhext. Wie sehr sich auch die Bäuerin bemühte, das Tier pflegte und besser fütterte, erhielt sie doch keinen Tropfen Milch. Da verfiel die Frau nach einigen Tagen auf einen seltsamen Gedanken. Sie hieb drei Knöpfe von Strohbändern ab, die an der Stalltür hingen, sott sie in Salzwasser und wusch damit die Milchkübel und das Butterfass aus und goss den Rest des Wassers über den Rücken der Kuh. Auf einmal war der Zauber weg. Die Kuh gab wieder so wie früher reichlich Milch.

Der Hexenplatz zwischen Senning und Hatzenbach

Zwischen Senning und Hatzenbach kommen alle vierzehn Tage auf einer Wiese, die am Bache liegt, die Hexen der Gegend zusam­men und führen da ihre Tänze auf. Als die Nordwestbahn noch nicht gebaut war, wanderte einst in der Nacht ein Bauer aus Großmugl gegen Stockerau. Sobald er zu dieser Wiese kam, erschienen ihm die Hexen als Besenreiterinnen und belästigten ihn derart, dass der sonst mutige Mann diesen Weg zeitlebens nicht mehr benützte.

Der Teufelsbirnbaum

Zwischen Stranzendorf und Unterparschenbrunn lag eine Wiese, die nach dem einstigen Besitzer aus Stranzendorf Thonradl, die „Thonradlwiese" genannt wurde. Inmitten der Wiese stand ein Birnbaum, dessen Früchte erst reiften, wenn sie der Reif gebrannt hatte. Sie sollen recht schmackhaft gewesen sein. Trotzdem mieden die Leute den Baum in der Meinung, er gehöre dem Teufel. Und weil dem einen oder anderen in vorgerückter Nachtstunde der Thonradl begegnet sein soll, hielt man ihn für den Teufel und benannte nach ihm den Birnbaum.

Saßen die Parschenbrunner in langen Winternächten in ihren Spinnstuben beisammen, sprachen sie immer wieder vom Teufelsbirnbaum und von dem Spuk auf der Thonradlwiese, der den nächtlichen Wanderer in Furcht und Schrecken versetzte. „Dass was dran ist, Leutln, kann i bezeugen", nahm ein junger Bauernbursche das Wort. „Noch nicht lang is her, bin i von Stranzendorf heimgangen. Wie i zur Thonradlwiesn komm, denk i mir: Jetzt pfeifst dir eins, Seppl, dass d' a Schneid hast, und juchazt einmal. Mehr hob i net braucht. Wie der Sturmwind is er herbraust, der Leibhaftige, auf einem glühenden Radl, dass i glaubt hab, das Hörn und Sehen vergeht mir."

„Lass di net auslachen, Seppl!", spottete ein junges Mädchen. „Dass ihr seht, Leut', dass i mi trau, hol i jetzt Birn' vom Teufelsbirnbaum; reif sind sie ja schon."

Nach diesen Worten erhob sich das Mädchen und verließ die Stube. Die anderen meinten, es hätte nur gespaßt, und sie arbeiteten und erzählten ruhig weiter. Als aber Zeit war, schlafen zu gehen und das übermütige Ding noch immer nicht zurück war, wurde den Leuten bange. Auf Wunsch des Bauern machten sich eine junge Burschen auf die Suche nach dem Mädchen, ihre Mühe war vergeblich. Als aber die Leute am nächsten Morgen in die Kirche gingen, fanden sie vor dem Haustor ein Säckchen Birnen und später an einem Aste des Teufelsbirnbaumes einen abgerissenen Rockzipfel. Das Mädchen selbst blieb verschwunden. Nach Meinung der Parschenbrunner hat es der Teufel geholt.

Die Thonradelwiese

Als im Jahre 1619 der böhmische Graf Matthias Thurn mit seinen aufständischen Scharen Wien belagerte und die Kugeln der Belagerer in die Burg einschlugen, wurde Kaiser Ferdinand II gleichzeitig von den protestantischen Ständen Niederösterreichs unter der Führung Thonradels von Ebergassing hart bedrängt. Thonradel, der dem Kaiser Zugeständnisse abpressen wollte, soll ihn beim Rockknopf gefasst und gefragt haben: „Nun, Ferdinandl, willst du unterschreiben?" Aus dieser Not rettete den Kaiser das rechtzeitige Erscheinen eines Kürassierregiments, das mit klingendem Spiel in den Burghof einrückte.

Das alles war so rasch geschehen, dass die Empörer in heilloser Angst das Weite suchten. Die meisten von ihnen flohen in das Lager Thurns. Weil aber dieser auf die Unterstützung Bethlens aus Ungarn nicht mehr hoffen durfte, zog er wieder nach Böhmen zurück. Die kaiserlichen Truppen verfolgten das böhmische Heer. Auch Thonradel und seine Anhänger sollten ausgeforscht und gefangen werden. Thonradel floh jedoch der Sage nach in sein Schloss, das in Stranzendorf stand. Hier glaubte er sich geborgen. Die Verfolger nahmen aber seine Spur auf, erschienen eines Tages vor dem Schlosse und erstürmten es in der Hoffnung, Thonradels habhaft zu werden. Es war aber vergeblich. Dem Aufrührer war es im letzten Augenblick gelungen, die Flucht zu ergreifen. Er wurde aber von einem Kürassier erkannt und verfolgt. Auf einer Wiese außerhalb des Ortes Oberparschenbrunn erreichten kaiserliche Reiter den Fliehenden und erschlugen ihn an Ort und Stelle. Sie hätten ihn lebend einbringen sollen. Weil sich Thonradel aber verzweifelt wehrte, büßte er es mit seinem Leben. Die Leiche wurde nach Stranzendorf gebracht und in einem Seitengang eines großen Kellers, der zum Pfarrhof gehörte, verscharrt.

Der Geist des Erschlagenen soll in verschiedener Gestalt jenen begegnen, die in stürmischen Nächten an der „Thonradelwiese" vorbeikommen. Ältere Leute aus Unterparschenbrunn erinnern sich noch, dass man zu ihnen, als sie noch Kinder waren, öfters gesagt hat: „Kinder, schaut, dass ihr von Stranzendorf nach Hause kommt, sonst kriegt auch der Thonradel!"

Geschichtlich bezeugt ist, dass das Geschlecht der Thonradel einen Herrensitz in Stranzendorf besaß. Wall und Graben sind heute noch deutlich erkennbar.